Köln, Donnerstag, 05.07.2018

+++Rückverfolgbarkeit: Herausforderung für Verpackungshersteller +++Maag GmbH setzt Standards ein, um Waren auf Knopfdruck zurückverfolgen zu können+++Neue Gesprächsebene mit Kunden dank Know-how in Digitalisierung+++

Der sauerländische Verpackungsspezialist Maag setzt Standards ein, um die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln digital sicher zu stellen. Nebeneffekt: seine Kunden profitieren heute auch von sicheren Prozessen, geringeren Kosten und nachhaltigem Umgang mit Ressourcen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind dabei zu Schlüsselthemen für Maag geworden.

 

 

Pilotunternehmen: Maag GmbH, Hersteller von Lebensmittel-Verpackungsfolien aus Iserlohn im Sauerland, www.maag.de/

Herausforderung:Lebensmittelhersteller müssen nicht nur für die Sicherheit der Lebensmittel sondern auch für sichere Verpackungen sorgen.  Verbraucherschutz ist oberste Prämisse. Verpackungen müssen daher bis zu deren Hersteller zurückverfolgt werden können, um kontaminierte Chargen zügig zu identifizieren und aus den Regalen des Handels herausholen zu können. Dazu sollen Standards zum Einsatz kommen. Die notwendigen Informationen sollen auf elektronischem Weg über Standardformate an die Kunden übermitteln werden. Damit standardisierte, elektronische Nachrichten versendet werden können, ist es auch notwendig, alle Artikel (Verpackungsfolien) eindeutig mit Standards zu identifizieren.

Ziel: Innerhalb des eigenen Unternehmens hat Maag bereits einen hohen Digitalisierungsgrad und sichere Prozesse umgesetzt. Diese sollen nun auch für Kunden Mehrwert bieten. Mit Umsetzung des Projektes möchte Maag nicht nur Rückverfolgbarkeit sicherstellen, sondern Kunden gleichzeitig sichere und schnellere Prozesse und damit verbunden Kosteneinsparungen ermöglichen.

 

Rückverfolgbarkeit: Herausforderung für Verpackungshersteller

Sichere und jederzeit zurück verfolgbare Produkte sind für die Lebensmittelbranche ein Must-have. Die Prozesse sind hierfür schon seit einigen Jahren standardisiert. Den Rahmen geben Gesetze vor. Doch nicht nur für die Lebensmittel selbst, sondern auch für ihre Verpackungen gelten diese Anforderungen. Wer Ware zurückverfolgen und im Falle eines Falles möglichst kleine Mengen an Lebensmitteln zurückrufen können will, der muss Produkte auf Ebene von Chargen identifizieren können.

Doch wie lässt sich beispielsweise eine Verpackungsfolie zurückverfolgen? Wie können dem Hersteller oder Abpacker von Lebensmitteln die relevanten Daten bereitgestellt werden? Wie lassen sich Verpackungen auf Chargenebene identifizieren und eindeutig der richtigen Lebensmittelcharge zuordnen?

MIt Standards Waren auf Knopfdruck zurückverfolgen

Hier helfen digitale Technologien und Standards. Eine Lösungsmöglichkeit ist es, Produkte mit standardisierten Artikelnummern wie der GTIN (Global Trade Item Number) zu identifizieren und diese zusammen mit der Charge in Barcodes (zum Beispiel EAN-13-Barcode oder GS1-128-Barcode) zu verschlüsseln.  Standardisierte Identnummern und Barcodes stellen sicher, dass sie eindeutig einem Hersteller zugeordnet und die Barcodes universell von allen Beteiligten gelesen werden können. Im Gegensatz dazu erlauben unternehmenseigene Artikelnummern keine eindeutige Zuordnung, was eine automatisierte und schnelle Rückverfolgbarkeit erschwert. Weiterhin können standardisierte Identnummern und Chargenidentifikation auch per elektronischer Datenübermittlung automatisiert in übermittelt werden – wie zum Beispiel Lieferavisen wie der EANCOM-Nachricht DESADV. Die Empfänger können die relevanten Daten einfach per Knopfdruck in die eigenen Systeme einfließen lassen.

Genauso so soll es künftig bei Maag laufen. Jede Folienart bekommt ihre eigene Artikelnummer im GTIN-Format. Diese Artikelnummer plus Chargeninformation wird in einem Barcode verschlüsselt und bei Lieferung erhält der Kunde ein elektronisches Lieferavis. Auch Bestellungen und Rechnungen kann Maag künftig elektronisch empfangen und versenden, da die Produkte darin eindeutig identifiziert werden.

 

Die richtige Folie zum richtigen Salat

Rückverfolgbarkeit ist ein wichtiges Kriterium für die Einführung von Standards. Ein weiterer Vorteil für Maag und seine Kunden ist die Schaffung von Prozesssicherheit. Das Beispiel eines Kunden, der die Maag-Folien für frische Salatmischungen für die Kühltheke verwendet, macht das deutlich.

Bei einer Lieferung an den Kunden wird der Barcode auf der Folie am Warenausgang gescannt. So stellt Maag sicher, dass zum einen der richtige Artikel an den Kunden geliefert wird. Zum anderen können die relevanten Informationen direkt per elektronischer Lieferavisierung an den Kunden übermittelt werden. Der Salatabpacker kann diese Informationen automatisch in seine Systeme einfließen lassen und hat sie auf Knopfdruck abrufbereit. Doch der Salatabpacker hat noch weitere Vorteile. Die Information im Barcode auf den Folien lässt sich auch mit seinen Abpack-Maschinen koppeln. Soll beispielsweise Wildkräutersalat abgepackt werden, wird hierfür eine andere Folie benötigt als für Salatmischungen, die auch Möhren und Trockenfrüchte enthalten. Jeder Salat braucht eine andere Folie. Diese unterscheiden sich im Material oder durch die Perforation – also Größe und Anzahl von Luftlöchern zum „Atmen“. Die Perforation entscheidet maßgeblich über die Haltbarkeit des Salats.

Ist der Prozess digitalisiert, kann an den Maschinen des Abpackers sichergestellt werden, dass die richtige Folie zum richtigen Produkt verwendet wird. Soll Wildkräutersalat verpackt werden, aber versehentlich die Folie für Möhrensalat eingesetzt wird, stoppt der Prozess, wenn der Barcode der falschen Folie gescannt wird. Die Maschine erkennt den Irrtum.

„Die Daten sind beim Kunden so hinterlegt, dass Produkt und Verpackung zusammenpassen müssen. Wird die falsche Folie gescannt, stoppt das Abpackband automatisch“, erläutert Bernd Hecking, Technical Director und Leiter des Digitalisierungsprojekts bei Maag. „Verwechslungen werden so ausgeschlossen.“

Hecking weiter: „Intern hatten wir für uns diese Prozesssicherheit schon umgesetzt, jetzt ermöglichen wir das auch unseren Kunden. Bisher haben alle in der Wertschöpfungskette auf ihrer eigenen Insel gearbeitet. Mit Standards können wir diese verknüpfen.“

Der Einsatz von Standards für Artikelnummern oder von elektronischem Datenaustausch (EDI) ist im Einzelhandel schon länger etabliert. Vorlieferanten der Lebensmittelhersteller waren in diese Informationskette aber bisher kaum eingebunden. „Handgeschriebene Lieferscheine sind hier noch immer gang und gäbe. Wir haben diese Ära für uns beendet“, erklärt Hecking.

 

Neue Gesprächsebene mit Kunden dank Know-how in Digitalisierung

„Mit der richtigen Folie sinkt die Menge des Verderbs, Salate bleiben länger frisch. Digitalisierung hilft uns und unseren Kunden, Fehler zu vermeiden, Prozesse zu beschleunigen, Kosten zu reduzieren und nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen“, erklärt Ansgar Schonlau, Managin Director von Maag. 
Für Maag hat sich die Umstellung auf Standards schon mehr als auszahlt. Schonlau ist von der Unternehmensstrategie überzeugt: „Viele Aufträge unserer Kunden werden jedes Mal neu ausgeschrieben. Was zählt ist der Einkaufspreis. Die Digitalisierung hat uns auf eine höherwertige Gesprächsebene gehoben. Indem wir digitalisiert haben, verbessern sich die Prozesse unserer Kunden, Ressourcen werden gespart oder Verderb minimiert. Heute sprechen wir bei Verhandlungen nicht mehr nur über Preise, sondern immer häufiger über Themen wie Digitalisierung oder Circular Economy*. Das hat uns ganz andere Potenziale erschlossen.“

*Kreislaufwirtschaft. Damit gemeint ist ein nachhaltiger Umgang mit knappen Ressourcen einschl. Verwendung von Recyclingmaterialien, Vermeidung von Abfall und Wiederverwendung von gebrauchtem Material in ganz neuen Wertschöpfungsketten.