Köln, Montag, 18.06.2018

+++Pilotprojekt Hotset GmbH testet Daten-Roboter+++Checkliste zur Nutzung von Smart Data+++Kunden gewinnen durch Smart Data+++

Smart Data, Big Data, Datenflut? Zurecht werden die digitalen Daten als das Gold des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Doch wie lässt sich der Schatz für Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung oder Innovationsmanagement nutzen? Wir stellen in Pilotprojekten, wie denen der Hotset GmbH, Lösungsansätze und Einsatzmöglichkeiten vor. Außerdem starten wir mit einer mehrteiligen Checkliste zum Thema „Starten mit Smart Data“.

 

 

Pilotunternehmen: Hotset GmbH, Lüdenscheid, Hersteller von Heizelementen, www.hotset.com/de/

Herausforderung: Die digitale Transformation fordert von mittelständischen Unternehmen die eigene Unternehmensentwicklung zu überdenken. Im Fokus stehen die Zukunftsfelder

  • technische Infrastruktur,
  • Kundenbeziehungen
  • Digitale Mehrwerte von Produkten und Lösungen
  • Innovationskultur
  • Geschäftsstrategie

 

Die neue Verfügbarkeit von Daten kann dabei unterstützen, stellt aber einige der gewohnten Strukturen in den Unternehmen auf den Kopf. Die riesigen Mengen von Marktdaten außerhalb des Unternehmens sind mit digitalen Werkzeuge einigermaßen beherrschbar. Für den Mittelstand stellt sich die Frage, ob er ausreichend Wissen über die Filterung der Daten und über Prognosemodelle besitzt, um relevante Kunden- und Technologietrends frühzeitig zu erkennen.

Ziel: Hotset möchte Zielmärkte und Kunden besser kennenlernen und verstehen, welche Sprache die Kunden sprechen. Durch das tiefere Verständnis soll das Angebot für Kunden verbessert und neue Kundenpotenziale erschlossen werden. Außerdem soll im Bereich Produktentwicklung und Innovation die Platzierung von neuen Produkten unterstützt werden. Ein Daten-Roboter und standardisierte Prozesse im Unternehmen sollen dabei helfen, Smart Data hierfür zu nutzen.

 

Daten-Roboter „Esta“ macht aus Big Data Smart Data

Hotset gehört zu 11 ausgewählten Unternehmen, die im Rahmen eines Ringvergleichs mit dem Potenzial von Smart Data experimentieren (Mehr zum Pilotprojekt). Das Unternehmen erhielt dazu vom Kompetenzzentrum eStandards den „ungelernten“ Daten-Roboter „Esta“, der anschließend vom Unternehmen mit Daten zu den interessierenden Fragen betankt wurde. Wie ihre bekannteren Verwandten Siri, Alexa oder Watson wird „Esta“ mit jedem Einsatz ein bisschen schlauer.

Bisher ist Hotset bei der Datenauswertung eher konservativ vorgegangen. Beispielsweise wurden sehr intensiv Fachzeitschriften gelesen bzw. ausgewertet. Doch das ist mühsam, langweilig und auch schwer messbar. „Esta“ scannt Inhalte automatisiert nach vorher definierten Fragen, lernt mit jeder Auswertungsrunde dazu und die Ergebnisse werden immer treffsicherer.

Solche Aufgaben kann der Daten-Roboter lösen

Im ersten Ansatz hat sich das Unternehmen auf folgende Handlungsfelder fokussiert:

  • Vertrieb auf dem US Markt: Hotset möchte eine Lösung stärker im amerikanischen Markt platzieren. Der Daten-Roboter „Esta“ überwacht diesen Markt und Hotset kann erkennen, welche Potenzialkunden, Wettbewerber und Trends den Markt bewegen. Außerdem zeigt der Daten-Roboter, welche Unternehmen sich welche Produkte, wie lange ansehen – und das Ganze auf eine datenschutzkonforme Art und Weise.
  • Vertrieb & Marketing der Standardprodukte: „Esta“ liefert Informationen zu Fragen wie: Wo werden die eigenen Produkte von wem erwähnt, wo die Konkurrenz? Was passiert in der Hauptanwenderbrache Kunststoffverarbeitung? Wo wird das Technologie- oder Patentfeld des Unternehmens erwähnt?
  • Produktentwicklung & Innovationsmarketing: Für eine neu entwickelte Lösung sucht der Daten-Roboter nach neuen Anwendungsbereichen. „Wir können nicht suchen, was wir nicht kennen. Über semantische Tricks kann der Daten-Roboter aber Dinge liefern, auf die wir gar nicht gekommen wären“, erklärt Sylvia Schmidt, Marketing Managerin bei Hotset.

 

Hotset steht noch am Anfang des Lernprozesses, kann aber schon jetzt erste Ergebnisse vorzeigen: „Es gibt bereits einige gute Ansätze, aus denen jeweils ein Projekt mit einem potenziellen Neukunden generiert werden konnte“, so Sylvia Schmidt.

 

„Starten mit Smart Data“ - Checkliste für die Nutzung von Daten im Mittelstand

Mittelständische Unternehmen, die – so wie Hotset – Daten gern strukturiert nutzen und auswerten möchten, sollten sich hierfür zunächst eine Strategie überlegen. So vermeiden Sie, von der schieren Datenflut überrollt zu werden. Smart Data Experte Peter Vieregge, der auch das Projekt von Hotset begleitet, hat eine umfangreiche Checkliste zum Start mit Smart Data zusammengestellt. Seine besten Tipps stellen wir Ihnen heute und in folgenden Beiträgen vor. Hier die ersten drei Tipps aus der Checkliste:

1)    Zeitaufwand: Hier gilt, weniger ist mehr! Starten Sie mit Daten um ein Thema, das aktuell hohe Priorität hat und weniger eine Zusatzaufgabe ist. Das vorhandene Zeitbudget bestimmt die Einstellung des Datensystems, nicht umgekehrt. Es ist richtig, dass Thema sehr stark einzugrenzen.

2)    Change Management: Neue Datentypen und Systeme bedeuten auch immer veränderte Arbeitsweise und damit Veränderungen in den Geschäftsprozess-Standards. Das begeistert Menschen nicht. Am besten startet das Projekt mit Mitarbeitern, die Lust auf Daten haben.

3)    Interne Abstimmung: Nutzen Sie für die Auswertung der Daten den Prozess einer „Redaktionskonferenz“. Zwei oder mehr Mitarbeiter haben innerhalb einer Woche die Aufgabe, die drei interessantesten Meldungen aus dem System auszuwählen, an die sie eine Aktion (Kontaktaufnahme, neue Umsetzungsidee, …) anschließen würden. Vorgehen in der Konferenz:

 

Team

  • Vorstellung der relevanten Meldungen je Mitarbeiter.
  • Nennung der „Reizworte“, die je Meldung dazu geführt haben, die Relevanz der Meldung als hoch einzustufen.
  • Nennung von Kategorien, in die man die Meldung einordnen würde.
  • Nennung von Begriffen, Themen und Quellen, die zu nicht relevanten Meldungen geführt haben.
  • Meldungen, die gefehlt haben.

 

Moderator / Projektleiter

  • Sammlung der relevanten Reizworte in einer Liste mit anschließender Priorisierung, Sammlung relevanter fehlender Reizworte, Sammlung der auszuschließenden Bereiche.
  • Kurzbeschreibung zu den Top 5 Begriffen / Themenkomplexen, warum diese relevant sind.
  • Festlegung, welche der Meldungen zu welcher Aktion führen soll und wer das bis wann macht.
  • Skizzierung von verbesserten Standard-Geschäftsprozessen, für die Abarbeitung der Meldungen. Entwicklung erster Ideen, wie die externen Daten mit den vorhandenen digitalen Content-Management Systemen (CRM, ERP…) verbunden werden sollen.
  • Sammlung der Punkte für eine verbesserte Einstellung der digitalen Werkzeuge.
  • Strategische Aspekte: oft stellt man fest, dass der Umgang mit den neuen Informationen auch an alte Grenzen stößt. Entlang von Abteilungsgrenzen gibt es unverbundene Datentöpfe und digitale Werkzeuge, auf die man nicht „frei“ zugreifen kann. Oft ist es wegen fehlender Schnittstellen auch nicht möglich, Daten zusammen zu führen und anzureichern. Diese Probleme sollten ebenfalls in einer Prioritätenliste festgehalten werden.